Zur neuen Konfirmationsagende
Am 7. Juli 2007 hat die Landessynode dem Entwurf des Evang. Oberkirchenrats für das neue Gottesdienstbuch Konfirmation mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Die im Sommer 2006 von der Synode gewünschte und von der Liturgischen Kommission des Oberkirchenrats geleistete gründliche Überarbeitung hat sich gelohnt. Nun kann die neue Agende in den Druck gehen und voraussichtlich noch dieses Jahr allen Pfarrerinnen und Pfarrern an die Hand gegeben werden. Wer möchte, kann bereits im Jahr 2008 die Konfirmation anhand der neuen Agende feiern. Spätestens für die Konfirmationen im Jahr 2009 wird die neue Agende dann verbindlich sein. Neugierige seien bis zum Erscheinen des gebundenen Buches auf die Beilagen 63 (Entwurf der Konfirmationsagende) und 63/1 (Anhang: Abendmahl im Konfirmationsgottesdienst) zur 13. Evangelischen Landessynode (Juli 2007) verwiesen.
Was hat sich nun verändert gegenüber der alten Agende von vor 30 Jahren (1. Aufl. 1977, Nachdruck 1985)?
1) Ein neuer Typus von Agende
Das neue Gottesdienstbuch Konfirmation ist keine Ableseagende mehr, sondern setzt – wie schon das Gottesdienstbuch für den Predigt- und Abendmahlsgottesdienst aus dem Jahr 2004 – voraus, dass alle Beteiligten den Gottesdienst als eine kreativ zu bewältigende Gestaltungsaufgabe verstehen. Hatte die alte Agende vier Formen für den Konfirmations-gottesdienst angeboten, geht das neue Kirchenbuch von einer einzigen Grundform aus, die vielfältig variiert und ausgestaltet werden kann.
Neu sind auch die liturgie-didaktischen Einleitungstexte, die zur Verständigung und Reflexion dessen anleiten sollen, was da im Gottesdienst gefeiert wird und das eigene Handeln bestimmt.
2) Orientierung an der „Lebenswelt der Jugendlichen” und am „Lernort Gemeinde”
Die neue Agende vollzieht den mit der Rahmenordnung für die Konfirmandenarbeit aus dem Jahr 2000 vollzogenen Perspektivenwechsel für den Konfirmationsgottesdienst nach.
Stärker als bisher sollen die Jugendlichen ihre Glaubenserfahrungen mit ihren eigenen Worten zur Sprache bringen. Insbesondere der Teil Verkündigung öffnet programmatisch ein Fenster für eigene Beiträge der Konfirmandinnen und Konfirmanden. Lebensthemen Jugendlicher, Katechismustradition und deren Aktualisierung sollen miteinander verbunden werden. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sind beides: Hörerinnen und Hörer des Evangeliums und Träger eines wesentlichen Teiles der Verkündigung.
Wenn ein Team die Konfirmandenzeit mitgestaltet hat, ist es nun auch bei der Planung und Durchführung der Konfirmation beteiligt. Die in der Konfirmandenzeit am „Lernort Gemeinde” gemachten Erfahrungen sollen samt den Wegbegleitern auch im Konfirmationsgottesdienst vorkommen.
3) Der Gottesdienst geht immer von einem Thema aus
Die neue Agende stellt den gesamten Konfirmationsgottesdienst konsequent unter ein Thema. Alles übrige (Auswahl der Katechismusstücke, eigene Beiträge der Konfirmanden, Lieder, Predigttext) werden von diesem Thema regiert. Dieser rote Faden kann ein Katechismusstück sein (z. B. Das Gebet oder ein Satz aus dem Glaubensbekenntnis) oder ein Leitmotiv, das elementare Lebensthemen der Konfirmanden aufgreift (z. B. Baum, Brot oder Gemeinschaft) oder auch ein biblischer Text oder ein Lied. Die Agende bietet Vorschläge für die Zuordnung von Leitmotiven, Bibeltexten, Liedern und Katechismus-themen.
4) Entlastung von der Katechismuszentrierung
Lag gemäß württembergischer Tradition der Akzent bei der Konfirmation auf dem Katechismussprechen, so tritt nun die Einsegnung stärker in den Vordergrund. Ein Paradigmenwechsel von Brenz zu Bucer. Der Memorierstoff wird bei der Konfirmation in – einer durch das Thema bedingten – Auswahl zu Gehör gebracht. Die restlichen Stücke können in einen oder mehrere Katechismusgottesdienste vor der Konfirmation ausgelagert werden.
Die neue Agende macht für alle Stücke des Memorierstoffs jeweils nur einen einzigen Vorschlag für das Aufsagen im Gottesdienst. Außerdem enthält sie im Anhang den kompletten Memorierstoff, wie er mit der Rahmenordnung aus dem Jahr 2000, beschlossen wurde. An den wenigen Stellen, wo im Wortlaut zwischen der Fassung der Rahmenordnung und der zweiten Auflage des Evangelischen Gesangbuches minimale Differenzen bestanden, fiel die Entscheidung zu Gunsten des Gesangbuchs. Dafür sprechen zwei Gründe: Zum einen ist die 2. Auflage des Gesangbuchs der jüngste Text, dem die Synode zugestimmt hat (2006). Zum andern möchten wir das Gesangbuch den Konfirmandinnen und Konfirmanden dort als Lernbuch anbieten, wo es Teile des Memorierstoffs enthält.
5) Konfirmationsfrage – Bekenntnis statt Verpflichtung
Wozu sagen die Konfirmanden und Konfirmandinnen ihr JA? Die Konfirmationsfragen wurden gegenüber der alten Agende komplett ausgetauscht um jedem Missverständnis zu wehren, dass sie Glaubensprüfung oder gar Gelübde sind. Die Konfirmationsfrage fragt nach dem Bekenntnis der Konfirmanden und Konfirmandinnen, der (Tauf)Zusage Gottes zu vertrauen und sie auf ihr eigenes Leben zu beziehen. Dieses Bekenntnis soll laut und deutlich von den Konfirmanden und Konfirmandinnen gesagt werden. Daher wird zukünftig immer gefragt und auch geantwortet. Eine „stille” Antwort, wie „die Antwort auf diese Frage werdet ihr mit eurem ganzen Leben geben müssen”, wird es nicht mehr geben.
6) Ausgeführte Liturgie für Taufen im Konfirmationsgottesdienst
Für die Feier der Taufe im Konfirmationsgottesdienst bietet die neue Agende eine ausgeformte Liturgie in zwei Varianten. Die Neugetauften werden entweder unmittelbar im Anschluss an ihre Taufe (1. Variante) oder zusammen mit den übrigen Konfirmandinnen und Konfirmanden (2. Variante) eingesegnet. Im ersten Fall wird betont, dass Taufe und Segen zusammen gehören bzw. dass, wer im Konfirmationsgottesdienst getauft wird und sich zu Christus bekennt, in der Taufe alles empfängt und deshalb keiner Konfirmation mehr bedarf. Im zweiten Fall wird dem Bedürfnis nach der sichtbaren Zugehörigkeit zur Konfirmandengruppe Rechnung getragen. Die eben Getauften und die als Kinder Getauften empfangen gemeinsam den Segen.
7) Feier des Abendmahls im Konfirmationsgottesdienst wird möglich
Erstmals bietet eine württembergische Konfirmationsagende die Möglichkeit, im Konfirmationsgottesdienst selbst auch das Abendmahl zu feiern. Die Positionierung im Anhang macht deutlich, dass die Feier des Abendmahls im Konfirmationsgottesdienst selbst nun zwar möglich, aber nicht die Regel sein soll. Die Liturgie orientiert sich an der kurzen oberdeutschen Form des Abendmahls. Von der Messform wurde abgesehen, da sie eine den ganzen Gottesdienst von Anfang bis Ende prägende und damit möglicherweise mit dem Kasus Konfirmation konkurrierende Grundform darstellt.
Kirchenrat Markus Lautenschlager
Bibliothek Haus Birkach